AS THE WORLD TIPPED | Wired Aerial Theatre | Liverpool, GB

AS THE WORLD TIPPED | Wired Aerial Theatre (Foto: Sophie Laslett) Wenn’s akrobatisch wird, kann man gewöhnlich den Kopf ausschalten. Und getrost ins Staunen verfallen. Die Liverpooler Gruppe „Wired Aerial Theatre“ verlangt ihren Zuschauern ein bisschen mehr ab. Klar ist ihre Show spektakulär, schwindelerregend und schwerkraftentfesselt. Dass sie zur höchstmöglichen Kunst unter freiem Himmel gehört, wird auf dem Schlossplatz zu bestaunen sein. Aber statt sich in Schaupracht zu erschöpfen, regt sie zum Weiterdenken an. Artistik trifft Anspruch. Politisches Straßentheater ist möglich. „As the World tipped“ hat das globale Problem Nummer eins zum Thema: die Klimakatastrophe. Das Setting: die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Der Gipfel der Schande, ergebnislos verplätschert. Als Diplomaten begnügen sich die Darsteller zum Auftakt damit, zwischen Aktenkartons emotionsfrei die Liste bedrohter Arten abzuhaken. Dass auch der Mensch dazugehören könnte, wird ziemlich anschaulich, wenn die Bühne unversehens in die Senkrechte kippt. Und sich in eine gigantische Projektionsfläche verwandelt. Vor der hängen die Freiluft-Performer wie Püppchen an Schnüren. Stemmen sich gegen einen Bildersturm der Verheerungen. Klettern an der medialen Steilwand. Und vollführen die Bungeeseiltänze, für die „Wired Aerial“ berühmt ist. Regie bei diesem Global Theatre führt Nigel Jamieson. Der hat schon die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Sydney inszeniert und versteht sich auf große Wirkung. Diesmal im Dienste der Umwelt. Mit einer klaren Botschaft: Höchste Zeit zu Handeln!

Wired Aerial Theatre: „As the World tipped“ // Theater
Sa 20.06.15, 22.45 Uhr // Schlossplatz, 48149 Münster

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Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: www.wiredaerialtheatre.com

TRANSPORTS EXCEPTIONNELS | Beau Geste | Val de Reuil, F

TRANPORTS EXCEPTIONNELS | Beau Geste (Foto: Angel Torres Martinez) Ein Mann und sein Bagger. Auf der Baustelle keine überraschende Paarung. Aber Philippe Priasso ist kein Bauarbeiter. Sondern Tänzer. Und der 13-Tonnen-Koloss, mit dem er sich auf offener Straße trifft, hebt keine Gruben aus. Sondern wird sein Partner in einem Pas de deux, wie man noch keinen gesehen hat. „Transports Exceptionnels“ heißt die Mensch-Maschine-Performance der französischen Compagnie Beau Geste. Die hat schon quer durch Europa große und kleine Zuschauer mit ihren Bagger-Pirouetten in Verzückung versetzt. Priasso, weißes Hemd, schwarze Hose, verneigt sich formvollendet vor dem stählernen Riesen und bittet zum Tanz. Der erwidert die Geste gern und reicht den Schaufelarm. Habe die Ehre. Selten war ein Geschöpf mit Zündschlüssel so lebendig. Was sich anschließt, ist eine Mischung aus Kräftemessen und Flirten, Artistik und Herkuleskampf. Eine Vereinigung von Fleisch und Blech. Eine Romanze zwischen dem Schönen und dem Biest. Getragen von den Opernklängen Bellinis und dem nicht minder lyrischen Motorensound. Befeuert von Bewegung, Benzin und der realen Gefahr, die der Tanz auf einer Baggerhand in luftiger Höhe bedeutet. Die Compagnie Beau Geste arbeitet seit 1991 als Trio, bestehend aus Christine Erbé, Philippe Priasso und dem künstlerischen Leiter Dominique Boivin. Mit „Transports Exceptionnels“ („Schwertransport“) haben sie sich selbst übertroffen. Diese Choreografie mit Nutzfahrzeug ist poetisches Spiel. Und philosophische Blaupause. Vor allem aber: eine große Liebesgeschichte.

Beau Geste: „Transports Exceptionnels“ // Tanz/Performance

Fr 19. + Sa 20.06.15, jeweils 15.00 + 18.00 Uhr // Stubengasse, 48143 Münster

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Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: www.ciebeaugeste.com

HOCHOFENSINFONIE | Theater Titanick | Münster/Leipzig, D

HOCHOFENSINFONIE | Theater Titanick (Foto: Andreas Kmieciak) Hochofen? Stahlproduktion? Klingt nach Stampfen und Dröhnen und Schweiß. Eher weniger nach Musik. Das Theater Titanick hat aber genauer hingehört. Und verleiht jetzt dem Begriff Industriekultur einen ganz neuen Sound. Die „Hochofensinfonie“ der Gruppe aus Münster und Leipzig ist ein Konzert mit der Klangwucht einer Schallplatte aus Roheisen. Zu gleichen Teilen furioses Spektakel und Partitur mit Zwischentönen. Feuerkessel, Moniereisen, donnerndes Blechsegel, abgesägte Gasflaschen und Schmelzöfen sind das Instrumentarium für eine Sinfonie, die im Herzrhythmus der Hütten pulsiert. Dass dabei auch ein ziemlich bemerkenswertes Arsenal an Pyrotechnik abgefackelt wird, passt erstens zum Thema. Und ist zweitens eins der Markenzeichen der Firebirds vom Theater Titanick. Was man in Münster ja niemandem mehr erklären muss. Im Rest der Welt eigentlich auch nicht. Die Elementarkünstler sind seit 25 Jahren zwischen Costa Rica und Holzminden mit ihrem mythenprallen Straßentheater unterwegs. Und wissen genau, wie man Münster zur Bühne macht. Unvergesslich: wie sie anlässlich der Flurstücke 011 das Gelände des alten Zoos mit „Sonnambulo“ in eine Hieronymus-Bosch-Landschaft der (Alb)traumpoesie verwandelt haben. Ihre „Hochofensinfonie“ kommt jetzt als Crescendo aus Raketen, Funkenflug und Gesang. Dirigiert von einem Mozart-Double mit passend irrlichterndem Feuerschopf. Gespielt von einem Orchester, das neben Perkussion und Kalimba auch Schweißgerät und Schlosserhammer beherrscht. Dieses Konzert ist Hitze. Und pure Energie.

Theater Titanick: „Hochofensinfonie“ // Theater

Do 18. + Sa 20.06.15, jeweils 21.30 Uhr // Aaseekugeln, Giant Pool Balls, 48149 Münster
Außerdem: Das Geburtstags-Special „25 Jahre Theater Titanick” // Special Event
Do 18.06.15, 22.15 Uhr // Adresse wie oben angegeben

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Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: www.titanick.de

TOUR DE COCHON / RUNDGANG MIT SCHWEIN
LES VITRINES / DIE SCHAUFENSTER
COCKTAIL CANNIBAL | Compagnie Cacahuète | Sète, F

TOUR DE COCHON / RUNDGANG MIT SCHWEIN LES VITRINES / DIE SCHAUFENSTER COCKTAIL CANNIBAL | Compagnie Cacahuète (Foto: Compagnie Cacahuète) Im Schaufenster der vornehmen Parfümerie steht ein fetter Kerl in Unterhose. Ein Mann mit Schweinsnase lässt sich als Schlachtplatte durch die Straßen tragen und mit Wurst belegen. Bon Apetit! Und schließlich wird auch noch ein echter Schweinskadaver von einer Metzger-Combo in der Schubkarre herum bugsiert. Wobei das Tier auch mal am Café-Tisch verschnaufen darf. Als Schwein des Anstoßes? Die legendäre französische Compagnie Cacahuète fällt gleich mit dreien ihrer furiosen Happenings über Münster her! „Tour de Cochon / Rundgang mit Schwein“, „ Les Vitrines / Die Schaufenster“ und „Cocktail Cannibal“. Übergreifendes Motto: Uns ist so kannibalisch wohl als wie fünfhundert Säuen. Okay, das allgemeine Verständnis von gutem Geschmack mag anders aussehen. Aber damit hatte Cacahuète (zu Deutsch: Erdnuss) noch nie etwas zu schaffen. Die 1984 von Pascal Larderet gegründete Straßentheatertruppe kommt aus dem Geiste des Punks. Was heute so brav als „Intervention im urbanen Raum“ gelabelt wird, ist hier pure Anarchie. Theatrale Erregung öffentlicher Ärgernisse. Wie das legendäre Happening „L’Enterrement de Maman“ (Mutters Begräbnis), dieser aus dem Ruder laufende Leichenzug, mit dem die Truppe bei den Flurstücken 011 im Lamberti-Brunnen baden ging. Larderet und seine Mitstreiter sind aber nicht einfach als Bürgerschreck oder Slapstick-Blasphemiker unterwegs. Sondern in subversiver Mission. Erklärtes Ziel bleibt, gesellschaftlicher Heuchelei und Turbokapitalismus den nackten Hintern zu zeigen. Und die wahren Schweinereien aufzudecken.

Compagnie Cacahuète: „Tour de Cochon / Rundgang mit Schwein“ // Theater/Performance
Do 18.06.15, 16.30 – 19.00 Uhr // Startpunkt: Platz des Westfälischen Friedens (Rathausinnenhof), 48143 Münster
Compagnie Cacahuète: „Les Vitrines / Die Schaufenster“ // Installationen
Fr 19.06.15, 16.00 Uhr // Rothenburg, 48143 Münster
Compagnie Cacahuète: „Cocktail Cannibal“ // Performance
Sa 20.06.15, 12.00 + 13.00 Uhr // Wochenmarkt, Domplatz, 48143 Münster

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Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: www.resete.fr/cacahuete

FIGURES LIBRES | KompleXKapharnaüM | Villeurbanne, F

FIGURES LIBRES | KompleXKapharnaüM (Foto: Magalie Rastello) Die Stadt zeigt ihr Gesicht. Von den Fassaden schauen Köpfe, überlebensgroß. Jung oder Alt. Sorgenzerfurcht oder von Lachfalten gezeichnet. Nachdenklich oder aufbruchsbereit. Und hinter jedem steht eine Geschichte. „Wir zeigen Zyklen des Lebens“, sagt Pierre Duforeau. Künstlerischer Leiter der französischen Comgagnie KompleXKapharnaüM (deren Name „Komplexes Chaos“ bedeutet). „Menschen ändern sich, ihre Städte ändern sich. Sie sind auf dem Weg, bewegen sich in der Zeit“. Momentaufnahmen dieser Reise hält die Gruppe in Portraitfotografie fest. „Figures Libres“ heißt das Projekt, an dem seit 2009 bereits mehr als 300 Menschen teilgenommen haben. KompleXKapharnüM betreibt dazu aufwendige Recherchen vor Ort. Lauscht den Erzählungen der Bewohner. Bildet Stadt in Vielfalt ab. Mit einem Mosaik der Gesichter: quer durch die Generationen und Herkünfte. Als urbane Anthropolgen haben die Künstler schon mit „SquarE – Lokales Straßenfernsehen“ hinter die Mauern geblickt. Hier sind sie als Feldforscher in Sachen Identität unterwegs. Zentrale Frage: Wer sind wir? Vor allem: Wer ist Münster? Dazu nehmen sie ihre Zuschauer mit auf einen Parcours, der die gesamte Stadtatmosphäre verwandelt. Mobile Übertragungswagen mit Bilderfenstern projizieren die Gesichter auf Hausleinwände. Ein Live-Mix aus Musik und Textcollage macht das Eintauchen in die leuchtende Nacht zur Erfahrung mit langem Nachhall. Man höre und schaue. Wie nebenbei löst „Figures Libres“ die Gewissheit auf, wer hier Betrachter ist. Und wer Betrachteter.

KompleXKapharnaüM: „Figures Libres“ // Multimediale Straßenparade

Fr 19.06.15, 22.30 Uhr // Start: Stubengasse, 48143 Münster

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Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: www.komplex-kapharnaum.net

DER KAUF | Paul Plamper | Berlin, D

DER KAUF | Paul Plamper (Foto: Paul Plamper) Schöner Wohnen geht nicht. Echtholzparkett und Fußbodenheizung. 360-Grad-Lichteinwirkung und unverbaubarer Dachterrassenblick. Britta und Achim sind ganz oben angekommen. Stolze Besitzer und nebenbei Wohltäter des urbanen Wandels. „Im Prinzip war es hier kurz davor, so ein Einkaufscenter-Scheiß zu werden“. „Studios hieß es auch mal. Büroturm. Es gab viele, die hier ranwollten“. Jetzt überlegt das Paar, seine Luxusimmobilie zu veräußern. An Dirk und Claire. Um ausgesorgt zu haben. Doch was als Verkaufsverhandlung beginnt, schlägt in einen erbitterten Kleinkrieg um. Trautes Heim, Wahn allein. Der geniale Hörspielautor Paul Plamper durchleuchtet in „Der Kauf“ das verkorkste Seelenleben der Mittelschicht mit ihrem Wunsch nach Sesshaftigkeit und Eigentumsglück. Rückwärts erzählt – vom letzten Maklertermin im gründlich gentrifizierten Viertel. Bis zum Urzustand des Baugrunds als Stadtbrache. Der Clou ist: Das Publikum lauscht diesem absurden Hör-Theaterstück auf genau so einer Wildwuchsfläche. Ausgerüstet mit Kopfhörer und Audioplayer. Dank großartiger Aufnahmetechnik mit erlebnisechtem Raumgefühl. Hier kann man sich die Zukunft vorstellen. Das kommende Wohnwunder. „Der Kauf“ – gesprochen von Milan Peschel, Cristin König, Sandra Hüller und Jan Hendrik Stahlberg – hat schon Preise in Serie abgeräumt. „Die Zeit“ schwärmte: „Plampers Figuren bleiben in dieser unterhaltsamen Milieustudie moralisch angenehm uneindeutig. Hier strebt jeder besessen nach der Vermehrung seines Glücks“. Eine präzise Momentaufnahme unserer Gegenwart also.

Paul Plamper: „Der Kauf“ // Hörspiel

Fr 19. + Sa 20.06.15, jeweils 14.00 – 20.00 Uhr // Start: Steinfurter Str. 72, 48149 Münster

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Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: www.hoerspielpark.de/website/person/paul-plamper

PORSCHEKOMPLEX | Ruppe Koselleck | Münster, D

PORSCHEKOMPLEX | Ruppe Koselleck (Foto: Ruppe Koselleck) Als Porschefahrer hat man ja immer Vorfahrt. Und das Recht auf einen Parkplatz in prominenter Lage sowieso. Entsprechend verfährt Ruppe Koselleck. Der Mann ist stolzer Besitzer einer über 2000 Modelle umfassenden Spielzeug-Porsche-Sammlung – mit der er gern mal Parkbuchten zur Hauptverkehrszeit belegt. Hunderte kleine Autos, in Handarbeit drapiert. „Mutwillige Verknappung öffentlichen Parkraums“, nennt er das Konzept liebevoll. Koselleck hat seine Mini-Luxuskarossen in der Vergangenheit schon am Place de la Concorde in Paris abgestellt. Oder im Herzen von London. Jetzt lebt er seinen „Porschekomplex“ in Münster aus. Wobei der Dozent für Experimentelle Kunstvermittlungsstrategien nicht nur ein schönes Bild schafft, wo sonst Blech steht. Sondern sehr smart das mit dem Porsche-Prestigekauf verbundene Status- und Männlichkeitsstreben hinterfragt. Als Spezialist für parasitäre Kunst greift Koselleck überhaupt gern mal kapitalismuskritisch in die Konsumwelt ein. Legt Lidl-Prospekte bei Aldi aus. Tauscht bei Ikea die Dekobilder gegen eigene Kunstwerke. Oder bereitet im Alleingang die feindliche Übernahme des Ölkonzerns BP vor. An seinem „Porschekomplex“ können sich die Bürgerinnen und Bürger sogar beteiligen. Porschespenden sind willkommen! Quittung und Verwendungsgarantie gibt’s auch. Koselleck hat außerdem noch viel vor. Wenn 10.000 Autos zusammengekommen sind, will er den Kudamm in Berlin auf 150 Metern Länge zuparken. Und im Anschluss vielleicht den Platz des Himmlischen Friedens in Peking.

Ruppe Koselleck: „Porschekomplex“ // Performative Installation
Sa 20.06.15, 10.30. – 19.00 Uhr // Adresse: Ludgeristraße 54 – 55, 48143 Münster

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Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: www.koselleck.de

FREMDRAUMPFLEGE | Tugsal Mogul | Münster, D

FREMDRAUMPFLEGE | Tuğsal Moğul (Foto: Bayram Tarakci) Fremdheit schafft Skepsis. Oder auch nicht. In „Fremdraumpflege“ versammeln sich bis zu 30 Zuschauer in Münsteraner Wohnungen. Jeden Abend woanders, mal in Gievenbeck, mal in Kinderhaus, mal in Coerde. Eben irgendwo in der Domstadt. Man klingelt bei den Gastgebern, sitzt gemütlich auf Sofas und Sesseln. In der Mitte dieser Gemeinschaft ereignet sich schließlich im Wohnzimmer ein Nahkampf: Zwei wildfremde Menschen prallen aufeinander, die unter normalen Umständen nie ein Wort miteinander gewechselt hätten. Zwischen ihnen entspinnt sich in dem knapp einstündigen Schlagabtausch, was man einen „Herkunftsdialog“ nennt. Der hiesige Arzt und Theatermacher Tuğsal Moğul, am Pumpenhaus mit Stücken wie „Halbstarke Halbgötter“ oder „Die Angehörigen“ als Neuerfinder des medizinischen Theaters berühmt geworden, widmet sich in „Fremdraumpflege“ dem klinischen Fall der ganz alltäglichen Vorurteile und Zuschreibungen. Der Übergang zum Stück verwischt, Realität und Spiel vermischen sich. Garantiert mit erhellenden Nebenwirkungen.

Tuğsal Moğul: „Fremdraumpflege“ // Theater*
Do 18.06.15, 20.00 Uhr // Privatwohnung Premiere*
Fr 19., Sa 20. + So 21.06.15, jeweils 19.00 Uhr // Privatwohnung*
*Achtung! Begrenzte Zuschaueranzahl.
AUSVERKAUFT

Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: www.theater-operation.de

ARBEITSSCHLACHTEN | Goran Fercec + fringe ensemble/phoenix5 | Zagreb/Bonn/Münster, HR/D

ARBEITSSCHLACHTEN | Goran Ferčec + fringe ensemble/phoenix5 (Foto: Tomislav Medak) Die Passion ist ein Schnäppchen aus Saturns Reich. Ein kroatischer Autor gerät im gebeutelten Griechenland in einen Elektromarkt, wo die Bilder vom Niedergang flimmern. Und ersteht billig eine CD mit Bachs „Matthäuspassion“. Zurück in der Heimat geht ihm die Krise nicht mehr aus dem Kopf. Und auch nicht die Musik. Bachs barocke Komposition überträgt er auf den Kampf von 20 Näherinnen, die in einer kroatischen Textilfabrik in den Hungerstreik getreten sind. Weil sie seit Monaten vergebens auf ihren Lohn warten. Ein Chor der Erniedrigten stimmt die ganz eigene Leidensgeschichte an. „Arbeitsschlachten“ heißt dieses mehrbödige Polittheater mit Basso Continuo und Rezitativ. Geschrieben vom Kroaten Goran Ferčec („Briefe an Heiner M.“), der zu den spannendsten jungen Stimmen aus Zagreb zählt. Ursprünglich ist „Arbeitsschlachten“ als Teil des Projekts „Vor den Hunden“ von fringe ensemble/phoenix5 entstanden, das mit neun europäischen Autoren und zehn Schauspielern zwei Jahre lang Konfliktzonen erforscht hat. Immer mit der Frage im Fokus: wie kann das Theater von den Kämpfen unserer Tage erzählen? Herausgekommen ist ein vielstimmiger Frontbericht. Mit Ferčecs „Arbeitsschlachten“ als Finale und Apotheose. In der Effata-Kirche ersteht dieses Passionsspiel mit realem Resonanzboden jetzt wieder auf: „Atmosphärisch dicht, rhythmisch sauber gearbeitet – ein Bach der anderen Art“ (Westfälische Nachrichten). Selten hatte politisches Theater so einen wuchtigen Klang.

Goran Ferčec/fringe/phoenix5: „Arbeitsschlachten“ // Theater

Fr 19., 18.00 + 20.00 Uhr, Sa 20.06.15, 15.00 Uhr // Jugendkirche effata [!], Neubrückenstraße 60, 48143 Münster

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Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: www.fringe-ensemble.de

BIRDWATCHING 4×4 | Benjamin Vandewalle | Brüssel, BE

BIRDWATCHING 4×4 | Benjamin Vandewalle Straßentheater? Findet jeden Tag direkt vor unseren Augen statt. Kommt bloß auf die entsprechende Perspektive an. Wozu der Belgier Benjamin Vandewalle mit „Birdwatching 4×4“ einlädt. 20 Zuschauer finden in einer mobilen Box Platz, die von vier Tänzern begleitet durch die Stadt bewegt wird. Mit einer von außen verspiegelten Scheibe als Sichtfenster. In diesem rollenden Darkroom kann man sich ungestört der Schaulust am Lebensechten hingeben. Fast wie im 3D-Kino. Bloß dass keine Fiktion vorüberzieht. Sondern die Realität in ihrer Zufallschoreographie. Mit Passanten als Performern ihrer selbst. Und der Stadt als Bühne. Die Tänzer lassen sich immer wieder in den Strom ziehen. Schaffen überraschende Situationen. Variieren den Rhythmus ihrer Bewegungen und damit die Stimmung. Benjamin Vandewalle – der zusammen mit der bildenden Künstlerin Erki De Vries auch eine Indoor-Version von „Birdwatching“ inszeniert hat – spielt hier virtuos mit Spiegeleffekten. Mit Beobachtung und Selbstbeobachtung. Sein „Birdwachting 4×4“ ist in Belgien, den Niederlanden oder Frankreich schon zum veritablen Festivalhit avanciert. Mit begeisterter Resonanz aus der Box. „Das Stück lehrt uns, dass selbst die kleinsten Details ihre eigene Schönheit besitzen. Man muss dazu nur die Realität mit anderen Augen sehen“, schrieb Zone Magzines. Und La Libération schwärmte: „Während dieser Momente im Verborgenen hat man die Chance die große Show des Lebens zu betrachten. Oft absurd in ihrer Banalität. Aber voller Tiefe und Gefühl“.

Benjamin Vandewalle: „Birdwatching 4×4“ // Tanz
Do 18.06.15, 15.30 Uhr // Startpunkt: Kirchherrngasse, 48143 Münster Deutsche Erstaufführung
Do 18., 17.00 Uhr, Fr 19., 16.00, 17.00, 19.00 + 20.00 Uhr // Startpunkt wie oben angegeben
Sa 20., 12.30 + 16.30, 18.00 + 20.00 Uhr // Startpunkt wie oben angegeben

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Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: www.caravanproduction.be

MINIATURES FOR MUENSTER | Olga Pona / Chelyabinsk Contemporary Dance Theater | Chelyabinsk, RU

MINIATURES FOR MUENSTER | Olga Pona / Chelyabinsk Contemporary Dance Theater (Foto: DanceArt) Olga Pona und Münster – das ist eine innige Liebesbeziehung. Die feinsensorischen Arbeiten der stillen Choreographin aus dem Südural werden im Pumpenhaus regelmäßig gefeiert. Kein Wunder. Die Künstlerin ist ja auch ein Solitär in der internationalen Tanzszene. Fernab der Metropolen hat die gelernte Traktor-Ingenieurin mit ihrem Chelyabinsk Contemporary Dance Theater eine ganz eigene Sprache entwickelt. Als Pionierin und Autodidaktin. Geprägt von den Umbrüchen im postsozialistischen Russland. Unvereinnahmt vom westlichen Mainstream. Daheim tanzt die Company auf den Riesenbühnen des Landes gewöhnlich vor weit über 1000 Zuschauern. Auf Gastspielen schätzt sie genau so die Intimität des kleineren Rahmens. Jetzt erkundet die Künstlerin zum ersten Mal den Stadtraum. Mit einer eigens für die Flurstücke015 entwickelten Choreografie: „Miniatures for Muenster“. Welche Ehre! Das Stück spielt mit dem somnambulen Zustand des Flanierens. Lässt Verweilen im Alltag. Als würde man sich während eines Spaziergangs für eine Verschnaufpause auf einer Bank niederlassen. Und die Umgebung betrachten. Nur halb bewusst und doch neugierig: folgt dieser beziehungsreiche Flow der Paare und Passanten einer Choreographie? Eine Gruppe von Tänzern aus dem fernen Sibirien läuft vorbei. Kaum zu unterscheiden vom Rest der mäandernden Masse. Die Münsteranerinnen und Münsteraner sind eingeladen, sich ihnen anzuschließen. Und die eigene Stadt neu zu entdecken. Orte, an denen man nicht einfach vorbeilaufen kann.

Olga Pona/Chelyabinsk Contemporary Dance Theater: „Miniatures for Muenster“ // Tanz-Parcours
Do 18.06.15, 15.00 Uhr // Startpunkt: Ecke Klemensstrasse/Stubengasse, 48143 Münster Uraufführung
Do 18., 17.30 Uhr, Fr 19., 14.00, 17.30, 19.30 Uhr, Sa 20.06.15, 11.00, 14.00 Uhr // Startpunkt wie oben angegeben
So 21., 09.45 Uhr // Domplatz, 48143 Münster, So 21.06.15, 14.00 Uhr // Startpunkt: Ecke Klemensstrasse/Stubengasse, 48143 Münster

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Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: www.olgapona.com

TRACELAND | Morons of Motion | Münster/Hamburg, D

TRACELAND | Morons of Motion (Foto: Morons of Motion) Herzlich willkommen! Wir wissen schon alles über Sie. Denn Sie sind durchschaubar und berechenbar. Aus den Spuren, die Sie hinterlassen, gewinnen wir unser Bild. Wie Schuppen streuen Sie Standortdaten, Verbindungsdaten, Einkaufswünsche, Interessen, Profil – alles ausgewertet und abgespeichert. In der begehbaren Installation „Traceland“ konfrontiert uns die Künstlergruppe M.o.M. mit dem Ausmaß der hingenommenen Datensammelwut. Microsoft, Apple, Facebook, Amazon und Twitter vernetzen mittels Maschinencode die Welt und saugen Infos en masse. Genau so Banken, Versicherungen, Mobilfunkunternehmen, Mailanbieter. Und natürlich Geheimdienste. Big Data is watching you! Alle sind davon betroffen, fast jeder schaut weg. Gläsern zu sein ist okay. Das Team aus Francis Eggert, Yochanan Rauert und Sven Stratmann macht jetzt in der Unterführung zum Schlossplatz sichtbar, welche wandelnden Metadatenwolken wir sind. Mittels Motion Tracking werden Bewegungen der Passanten gemessen, digital ausgewertet – und dann in verkleinertem Maßstab visualisiert und projiziert. Je stärker man sich bewegt, desto mehr Daten sondert man ab. Klar kann man auch versuchen, sich unter den Kameras wegzuducken. Aber ganz spurenlos geht hier keiner vorbei. „Traceland“ rührt an eine der sensibelsten Fragen unserer Zeit: Wieviel wollen wir preisgeben? Ach ja, nur der Form halber: Hier werden aus Datenschutzgründen natürlich keine echten Profil-Infos abgegriffen. Der einzige Unterschied zwischen Kunst und Realität.

Morons of Motion: „Traceland *all fields are mandatory“ // Videoinstallation 

Do 18.06.15, 16.00 – 21.00 Uhr // H1, Schlossplatz 46, 48143 Münster, Unterführung – Eingang Bäckergasse Vernissage
Fr 19. + Sa 20.06.15, jeweils 10.00 – 23.00 Uhr // Adresse wie oben angegeben
So 21.06.15, 12.00 – 18.00 Uhr // Adresse wie oben angegeben

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Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: traceland.7dex.de

MY PARADOXICAL KNIVES | Ali Moini | Teheran, IR

AS THE WORLD TIPPED | Wired Aerial Theatre (Foto: Jourdan) Mit schneidendem Geräusch beginnt der Stahl zu schwingen. Gefährlich schön, dieses Bild. Der iranische Tänzer Ali Moini hat sich, nur leicht bekleidet, ein Geschirr angelegt. An dessen Enden sind Dutzende Klingen befestigt. Immer schneller beginnt der Mann, um sich selbst zu kreisen. Bis die Fliehkraft die Messer von ihm wegdrückt. Was auch bedeutet: nur in Bewegung zu bleiben schützt vor Verletzungen. Oder aus Zuschauerperspektive: Abstand vom wilden Drehen zu halten. „My Paradoxical Knives“ ist diese Soloperformance betitelt. Moini, der in Teheran Schauspiel und Gesang studiert und seine Arbeiten schon bei Montpellier Danse oder im Tanzquartier Wien gezeigt hat, stellt sich damit in persische Tradition. Und distanziert sich zugleich von ihr. Die Messer-Pirouetten zitieren den Sufi-Tanz der islamischen Derwische. Wenden die Sanftheit der schwingenden Gewänder jedoch ins Scharfkantige. Ein politisches Bild? Metapher für die Zensur im öffentlichen Raum im Iran? Der Künstler selbst mag sich auf solche eindeutigen Absichten nicht festlegen lassen. „Ich kenne den Inhalt eines Stückes erst, indem ich es erarbeite“, sagt Moini. Westliche Deutungsmuster greifen zu kurz. „My Paradoxical Knives“ entzieht sich der flüchtigen Lesbarkeit. Wie die Zeilen des Rumi-Gedichts, das mit weißer Farbe auf den Boden geschrieben ist. Und vom singenden Moini im Tanz verwischt wird. Seine Performance ist ein Spiel mit Nähe und Distanz. Sie stellt Gemeinschaft her. Und durchtrennt das Band wieder. So geht er doch unter die Haut, dieser Messertanz.

Ali Moini: „My Paradoxical Knifes“ // Performance

Fr 19., 16.00 + 19.00 Uhr, Sa 20.06.15, 16.00 Uhr // Treffpunkt: Festivalzentrum, Platz des Westfälischen Friedens (Rathausinnenhof), 48143
Sa 20.06.15, 19.00 Uhr // Innenstadt

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Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: www.alimoini.com

WORK IN PROGRESSUNDERGROUND III | Tänzer des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch | Wuppertal, D

WORK IN PROGRESS - UNDERGROUND III | Tänzer des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch (Foto: Rainer Schlautmann) Tänzer des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch gastieren mit eigenen Arbeiten erstmalig in Münster. Braucht es mehr, um die Tanz-Aficionados der Stadt in Bewegung zu setzen? „Underground III“ heißt das Projekt, mit dem die Compagnie und ihre Gäste das Parkhaus am Alten Steinweg bespielen. Im Oktober 2014 wurde die erste Version in Wuppertal aufgeführt und für Münster wird sie jetzt weiter und neu gedacht. Auf zwei Parketagen schreiben sie ihre Skizzen fort. Mit Solo, Duett und Gruppenchoreografien. Und einer Fantasie, die durch Beton dringt.

Tänzer des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch: „Work in Progress – Unterground III“ // Tanz
So 21.06.15, 22.00 Uhr // Parkhaus, Alter Steinweg 21, 48143 Münster**
**Achtung! Begrenzte Zuschaueranzahl. Keine Reservierung möglich. Es gibt keine VIP-, Sponsoren- oder Mitarbeiterkarten. Die Ausgabe der Freikarten erfolgt solange das Kontigent ausreicht, ausschließlich am Sonntag, 21.06. ab 11.00 Uhr in der Reihenfolge des Erscheinens im Festivalzentrum. Pro Person wird nur eine Karte ausgegeben! Ausgabe der Karten nur an Personen über 16 Jahren.

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Detaillierte Informationen zur Produktion, den Mitwirkenden und den Förderern: www.pina-bausch.de

URBAN RESTRUCTION SITE 1 | Wilm Weppelmann | Münster, D
ISS DEINE STADT! STROSSCHOCHÄ | Maurice Maggi | Zürich, CH

URBAN RESTRUCTION SITE 1 | Wilm Weppelmann & ISS DEINE STADT! STROSSCHOCHÄ | Maurice Maggi (Foto: Juliette-Chretien) Brachflächen verwandeln sich in Gemeinschaftsgärten. Auf Plätzen, Dächern, Standstreifen, Hochbeeten oder in Parks wachsen Obst und Gemüse. Greifen Sie zu! Es kostet nichts. Das ist das Konzept der „Essbaren Stadt“. Nicht etwa ein verschrobenes Projekt urbaner Hobby-Gärtner. Sondern ein längst weltweit erprobtes Alternativ-Modell zum gedankenlosen Ressourcen-Verbrauch. Die „Essbare Stadt“ leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. Fördert Artenvielfalt. Unterstützt die Selbstversorgung wie den nachbarschaftlichen Austausch. Und schafft vor allem Teilhabe. Vorreiter waren Metropolen wie Seattle oder Todmorden in Großbritannien. Aber auch viele deutsche Städte, darunter Andernach in Rheinland-Pfalz. Jetzt ist auch in Münster Erntezeit. Der Schweizer Maurice Maggi, Guerillagärtner der ersten Stunde, lädt ein zur kulinarischen Entdeckungsreise durch den schmackhaften Wildwuchs. Maggi, bekennender Allesesser, entdeckt noch in der kleinsten Asphaltritze einfach-originelle Delikatessen. Zusammen mit dem westfälischen Landschaftskünstler und Kulturgärtner Wilm Weppelmann wird gesammelt, gekostet und gekocht, was die Brachen hergeben. Zum Projekt gehört außerdem die Ausstellung „Die Produktive Stadt / Carrot City – Design for Urban Agriculture“. Die dokumentiert die neue Gartenbewegung am Bespiel von New York, Toronto, Berlin oder München. Entwirft neue Bilder von Urbanität. Und zeigt Perspektiven für die Stadtgestaltung mit Zukunft und Verstand auf. Lassen Sie sich Münster schmecken!

Wilm Weppelmann: „urban restruction site 1“ // Installation

Fr 19.06.15, 10.00 – 20.00 Uhr // Steinfurter Str. 72, 48149 Münster Vernissage
Sa 20.06.15, 10.00 – 20.00 Uhr // Adresse wie oben angegeben

Maurice Maggi: „Iss deine Stadt! Strosschochä.“ // Special Event 

Fr 19. + Sa 20.06.15, jeweils 16.00 – 18.00 Uhr // Start: Steinfurter Str. 72, 48149 Münster

Paul Plamper: „Der Kauf I“ // Hörspiel
Fr 19.06.15 + Sa 20.06.15, jeweils 14.00 – 20.00 Uhr // Start: Steinfurter Str. 72, 48149 Münster

Severin Halder (Berlin): „Gardening for young urbanists – Wissen wuchern lassen“ // Workshop
Fr 19.06.15, 11.00 – 13.00 Uhr // Steinfurter Str. 72, 48149 Münster

Dr. Philipp Stierand (Dortmund): „Zwischen urbanem Garten und Supermarkt: Die Ernährungsrevolution beginnt in der Stadt“ // Vortrag
Fr 19.06.15, 14:00 – 15:00 Uhr // Steinfurter Str. 72, 48149 Münster

Dr. Thomas Hövelmann: „Die Welt ohne (mit) uns – Pionierpflanzen der Stadt“ // Botanische Führung
Sa 20.06.15, 10.00 – 11.00 // Steinfurter Str. 72, 48149 Münster

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Detaillierte Informationen zu der gesamten Veranstaltungsreihe: www.weppelmann.de | www.gartenakademie.org | www.maurice-maggi.ch