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Silke Schönfeld Ⓓ
NO MORE BUTTER SCENES

⑫ Kreativ-Haus maps
Do 27.6. 16:00–20:00

Fr 28.6. 12:00–20:00

Sa 29.6. 12:00–20:00
So 30.6. 12:00–16:00

In Silke Schönfelds Videoinstallation geht es um Intimität, Einvernehmen und Grenzüberschreitung im Kontext des Schauspielberufs. Im Setting eines PR-Interviews werden die Regeln eines ungeschriebenen Skriptes zunehmend missachtet. Zugleich wird der verbale Schlagabtausch in eine körperliche Auseinandersetzung übersetzt. Wer ist Täter, wer Opfer?

Rund 35 Jahre nach der Premiere des Films „Der letzte Tango in Paris“ (1972), sprach die Schauspielerin Maria Schneider erstmals über den sexuellen Missbrauch, den sie während der Dreharbeiten erlebt hatte. Der Regisseur Bernardo Bertolucci behauptete, er habe seine Hauptdarstellerin im Unklaren darüber lassen müssen, wie die berüchtigte „Butterszene“ mit Co-Star Marlon Brando ablaufen würde, um ihre authentische Frustration und Wut einzufangen. Brutalität in der Regieführung als Relikt aus einer archaischen Vergangenheit? Die #MeToo-Bewegung und auch die jüngsten Enthüllungen zu missbräuchlichen Arbeitsbedingungen an Filmsets und Theatern bilden den Ausgangspunkt von Silke Schönfels neuproduziertem Film. Sie verdeutlichen, wie aktuell das Thema ist und wie komplex, wird doch die Glaubwürdigkeit von betroffenen Schauspieler:innen immer wieder angezweifelt. Schon weil es doch ihre Profession sei, Gefühle darzustellen.

NO MORE BUTTER SCENES (2024) untersucht das Verhältnis von Konsens und Intimität im Kontext des Schauspielberufs. In Gestalt eines Kammerspiels mit Lola Fuchs und Mervan Ürkmez in den Hauptrollen ist das Setting an PR-Interviews angelehnt, wie sie Schauspieler:innen geben, um Blockbuster zu bewerben. Ein ganz eigenes Genre, das vom Spannungsverhältnis zwischen der Leinwandfiktion und der Selbstinszenierung der Stars als (vermeintliche) Privatpersonen lebt. Die Situation des Interviews wird von Schönfeld schleichend dekonstruiert. Der verbale Schlagabtausch zwischen den beiden Schauspieler:innen entwickelt sich auf körperlicher Ebene zu einer Mischung aus Tanz und Kampf. Übungen aus der Intimitätskoordination werden als Choreographien inszeniert. NO MORE BUTTER SCENES veranschaulicht die psychologische Komplexität von strukturellem Machtmissbrauch. Die beiden Schauspieler:innen nehmen die Rollen von Zeug:innen und Kompliz:innen ein. Wobei u. a. die Frage aufkommt, inwiefern es auch die eigenen Ambitionen sein können, die in einem solchen Fall zu einer Kompliz:innenschaft führen?